GL | Ableiten

Bekanntschaft mit der Verwandtschaft

Stra1-AbleitenDie Strategie des Ableitens macht sich die Verwandtschaftsbeziehungen der Wörter zunutze.
In TOP wird zwischen der wortartgebundenen und der wortartübergreifenden Ableitung unterschieden.

 

Ableiten mit dem TOP-Vokalteppich

TOP-Vokalteppich für Silbenspiele mit Bewegung | Bild: Barbara HeubergerBei der wortartgebundenen Ableitung werden Grundform (Mutter) und Flexionsformen (Kinder) orthografisch aufeinander bezogen, z.B. Rand → Ränder, Haus → Häuser, kalt → kälter
Mit dem TOP-Vokalteppich können das bereits Erstklässler.

So geht’s:
Jede Silbe hat bekanntlich einen Vokal oder Diphthong als Silbenkern. Die Kinder sprechen ein Wort in Silben, z.B. Po-sau-ne und hüpfen synchron dazu in die entsprechenden Vokalfelder o-au-e.

Umlaute sind Vokale mit Brille. Beim Hüpfen muss ein Fuß die Brille berühren. Wortpaare wie Topf Töpfe, Zug Züge, Rand → Ränder, Haus → Häuser werden von Erstklässlern einfach „erhüpft“. Die dahinterstehende Gesetzmäßigkeit wird auf der Körperebene ganz ohne pädagogischen Zeigefinger verarbeitet.

Übrigens kann der Vokalteppich auch in Miniformat auf den Schülertischen befestigt werden. Gehüpft wird dann mit den Fingern.

Ableiten aus dem Wortstamm

Bei der wortartübergreifenden Ableitung werden die Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb einer Wortfamilie unter ranggleichen Mutterwörtern genutzt. Das setzt schon eine ganze Menge Sprachwissen voraus und wird deshalb in TOP erst viel später erarbeitet.

Die „Gene“ für die Wortverwandtschaft sitzen allesamt im Wortstamm. Kennzeichnend für Wortfamilien ist die Vielfalt an Ergänzungsbausteinen, die einen immer gleichen Stamm umgeben können und dabei jedes Mal die Wortbedeutung modifizieren. Ein Mitglied der Familie zu kennen genügt, um orthografische Auskunft über alle anderen Mitglieder zu erhalten. Und nicht vergessen: Manche Familienmitglieder sind Brillenträger:

klarklären → Klärung →
erklären → Erklärung →
verklären → Verklärung →
unklar → Unklarheit → unerklärlich …

Die „Kommt-von-Falle“

Wie im wirklichen Leben ist auch bei Wörtern so manche Verwandtschaftsbeziehung nicht tragfähig. Es gibt nämlich auch unregelmäßige Wortformen. Vorsicht ist deshalb bei der Ableitungsformel „Kommt von …“ geboten.  Ging kommt von gehen, kam kommt von kommen, zog kommt von ziehenfloss kommt von fließen, aber was nützt das schon? Kinder sind nicht immer das getreue Abbild ihrer Mütter. Besonders unter den Verbenkindern finden sich viele individuelle Geschöpfe, die wir als „stark“ bezeichnen. Die Kommt-von-Formel ignoriert diesen Umstand und übergeneralisiert eine heile Welt von Verwandtschaftsmustern, die es nicht gibt. So entstehen Schreibungen wie *gihng, *kamm, *zohg, *floß

Unverzichtbar: die RE-Form

Bei allen unregelmäßigen Wortformen stößt die Kommt-von-Formel unweigerlich an ihre Grenzen. Aber es gibt eine andere strategische Lösung, die immer funktioniert. Der Zauberspruch „Verlänger den Wortstamm“ ist universell anwendbar. Er bittet nicht die Mutter um orthografische Auskunft über die Kinder, sondern er befragt die Kinder selbst, indem er ihren Wortstamm in die RE-Form bringt: ging → gingen, kam → kamen, zog → zogen,  floss → flossen

 


Barbara Heuberger | Lizenzversion CC-BY-SA


 

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