GL | Das stimmlose -ß-

Musterkarte -ß- in der RE-Form | Barbara Heuberger, Tübinger Orthografie-Programm Typisch deutsch: Mit dem S-Laut nehmen wir es besonders genau. Wir unterscheiden das stimmhaft-weiche [z] als summendes „Bienen-s“ vom stimmlos-harten [s] als zischendem „Schlangen-ß“. Zwei Lautqualitäten, zwei Buchstaben.

In der RE-Form folgen beide auf Langvokal oder Doppelvokal. Dadurch sind sie verlässlich am Anfang der zweiten Silbe zu finden. Das ist auch gut so, denn dort folgt ihnen – ebenso verlässlich – ein Schwa.

Die Bedeutung des Schwa ist nicht zu unterschätzen. Als Vokal wirkt es wie ein auditiver Scheinwerfer, der die Lautqualität des vorangestellten Pendlerkonsonanten genau ausleuchtet. Ohne Schwa wäre die Unterscheidung der beiden S-Laute nicht möglich:

rei-sen ↔ rei-ßen, Flie-sen ↔ flie-ßen, hei-ser ↔ hei-ßer, wei-se ↔ wei-ße

ο Heute ist der Kaiser heiser

ο Die RE-Form


Musterkarte Starke Verben mit -ß- und -ss- | Barbara Heuberger, Tübinger Orthografie-Programm-ß- und -ss-
Stimmlos wie das -ß- ist auch der Doppelkonsonant -ss-. Viele unregelmäßige Verben werden im Präsens mit -ß- und im Präteritum mit -ss- geschrieben oder umgekehrt:

rei-ßen ↔ rissen
flie-ßen ↔ flossen
lassen ↔ lie-ßen
essen ↔ a-ßen

Das Prinzip dahinter wird in der RE-Form sichtbar. Das -ß- mit seinen zwei Bäuchen ist nichts anderes als ein übereinandergestapeltes -ss-, platzsparend wie ein Etagenbett im Kinderzimmer. Dem vorangestellten Lang- oder Zwievokal kann das nur recht sein, denn er beansprucht Raum bis zum Silbenende (schie-ßen).
Anders der Kurzvokal. Genügsam teilt er sich den Platz mit einem Konsonanten als „Untermieter“. Aus dem -ß- wird so ein -ss-Silbengelenk (schos-sen).

 


Barbara Heuberger | Lizenzversion CC-BY-SA


ο Konsonantenverdopplung

ο Auf einem Baum ein Kuckuck

ο Deutsche Wörter

ο Wörter mit -ß-

 

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