GL | Die RE-Form

Der rote Faden der Rechtschreibung zeigt sich nicht auf den ersten Blick. Auf der Buchstabenebene sehen wir immer nur die Verschiedenheit der Wörter. Wenn wir aber auf die übergeordnete Musterebene wechseln, erkennen wir die Gemeinsamkeiten zwischen den Wörtern, denn Buchstaben organisieren sich in Mustern. Und allen Mustern liegt eine Form zugrunde, die RE-Form.

Die RE-Form ist die Referenzform deutscher Kernwörter
Das Symbol für die RE-Form ist die 2-Finger-Hand, denn die RE-Form besteht aus zwei Silben, einer betonten und einer unbetonten. Wir sagen Sil-ben, Wör-ter, ler-nen …

Musterkarte RE-Form | Barbara Heuberger, Tübinger Orthografie-Programm

Vokale als Silbenkerne | Die Feinstruktur der beiden Silben zeigt ein immer gleiches Muster. Die Buchstaben sind austausbar. Fest steht aber, dass in den hellen Feldern in der Mitte immer ein Vokal stehen muss. Vokale sind die Silbenkerne. Sie besitzen die höchste Schallfülle, während Konsonanten eher im Grau des Nachtschattens daherkommen, nicht selten als Geräusch, Gezischel, Getuschel …

Die Anordnung von Vokal und Konsonant, also von „Licht und Schatten“, ist in der RE-Form optimal. In der ersten Silbe kann jeder beliebige Vokal stehen. In der zweiten Silbe steht immer ein -e- als Reduktionsvokal, das sogenannte Schwa-e. Es ist kennzeichnend für den gesamten deutschen Kernwortschatz.

Der Stopper | Am Ende der ersten Silbe zeigt die RE-Form eine gelb-graue „Jalousie“. Hier ist das Feld für den Stopperkonsonanten angelegt, die Steuerzentrale  für die Vokallänge und die strukturelle Basis für Dehnung und Schärfung.

Kurzvokal | Endet die Silbe konsonantisch, so hat der Vokal sichtlich weniger Platz.  Er wird kurz gesprochen: r a s – t e n

Langvokal | Wenn der Stopper fehlt, reicht der Vokal bis ans Silbenende und wird lang gesprochen: r a – t e n.  Er braucht dazu weder ein Dehnungs-h noch eine Verdopplung. Langvokale ergeben sich ganz von selbst durch das Fehlen des Stoppers.

Zwievokal/Diphthong | Das Fehlen des Stoppers bietet auch Platz für Zwievokale. Oder umgekehrt: Auf einen Zwievokal kann nur ein Konsonant folgen. Wer „heitzen“ mit t-z schreibt oder „Schauckel“ mit c-k, der ist mit der Sprachstruktur noch wenig vertraut.

 


Barbara Heuberger | Lizenzversion CC-BY-SA


 

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