SP | Vokalteppich

Bewegungsspiel von Barbara Heuberger, Tübinger Orthografie-Programm

Vokale spielen in jeder Silbe eine übergeordnete Rolle: Sie sind die Silbenkerne. Jedes Wort hat so viele Silben, wie es Vokale bzw. Diphthonge hat.
Mit dem Vokalteppich erforschen bereits Erstklässler die Silbenstruktur der Wörter.

Spielfeld
Je nach den räumlichen Möglichkeiten wird das Spielfeld
•  mit Kreide aufgemalt (Schulhof)
•  mit Tesakrepp auf den Fußboden aufgeklebt
•  als Teppich ausgerollt (rutschfest!!!)
•  als laminiertes Kärtchen auf den Tisch geklebt (Fingerspiel)


Anwendungsbeispiele

1. Vokalbuchstaben verankern

Im Anfangsunterricht der 1. Klasse hüpfen die Kinder nach der Reihenfolge in jedes Vokalfeld und sprechen dabei den Vokalspruch
A, e, i, o, u – das lern ich im Nu.

Die Diphthonge au, ei, eu müssen mit zwei Füßen/Fingern gehüpft werden. Der Spruch dazu heißt:
Au und ei und eu sind sich immer treu.

Auch die Umlaute ä, ö, ü („Brillenvokale“) werden mit zwei Füßen/Fingern gehüpft. Ein Fuß muss jeweils die „Brille“ berühren. Gesprochen wird dazu:
Ä und Ö und Ü macht mir keine Müh‘.

2. Silben hüpfen / Vokaldiktat

To-ma-te, Me-lo-ne, Ro-si-ne … Die Kinder erhüpfen die vokalische Silbenstruktur der Wörter. Zu jedem gehüpften Wort wird anschließend die Anzahl der Silbenbögen gemalt. Dann werden die Vokale in die Silbenbögen eingetragen.

3.1. Das Schwa-e

Im Wort verändern Vokale ihren Lautwert. Das betrifft vor allem das -e- in der Reduktionssilbe (To-ma-te). Beim Schreiben wird es anfangs häufig weggelassen. Über das Silbenhüpfen erfahren die Kinder auf der Körperebene, dass der letzte Vokal als -e- gehüpft und geschrieben werden will, auch wenn er gar nicht wie ein -e- klingt. (Siehe auch GL | RE-Form)

3.2. Das Schwa-er

Folgt auf das Schwa-e ein -r-, so verschmelzen beide zu einem neuen Laut, der eher einem -a- ähnelt. Durch Silbenhüpfen festigen die Kinder auf der Körperebene die Erfahrung, dass dieser Schlusslaut ein -e- enthält, dem noch ein „Räuber-r“ folgt.

4. Wortdiktate
Nach dem Muster des Vokaldiktates können Erstklässler auch schon ganze Wortdiktate bewältigen. Geeignet sind am Anfang offene Silben (Ro-si-ne …). Mit wachsender Sicherheit kann die Silbenkomplexität gesteigert werden (Man-tel …).

4.1. Umlaute ableiten
Die „Brillenvokale“ machen im Anfangsunterricht keine Probleme, wenn sie als Ableitungen im Vokalteppich erhüpft werden dürfen:

Tal – Tä-ler, Hand – Hän-de
Ton – Tö-ne, Topf – Töp-fe
Buch – Bü-cher, Nuss – Nüs-se …
(siehe auch GL | Ableiten)

4.2. Umlaute: Das „Brillen-äu“
Gegen Ende der ersten Klasse kommt zu den Diphthongen au, ei, eu ein weiterer ins Spiel, das „Brillen-äu“. Wer mit dem Vokalteppich gute Vorarbeit geleistet hat, hat nun leichtes Spiel. Der Diphthongspruch Au und ei und eu sind sich immer treu muss nur noch erweitert und richtig gehüpft werden: Au und ei und eu und äu sind sich immer treu.  (siehe auch GL | Ableiten)

5. Das -ie- einführen
-ei- oder -ie-? Für viele Leseanfänger eine Herausforderung. Mit dem Vokalteppich gelingt die Unterscheidung leicht.
Bei -ei-
sind beide Füße in je einem Vokalfeld. Zu hören sind ja auch zwei Laute.
Bei -ie- hört man dagegen nur -i-. Deshalb springen zunächst beide Füße ins i-Feld. Dann aber rutscht eine Fußspitze heimlich still und leise ins e-Feld. Das braucht Zeit, was für ein langes -i- ja auch angemessen ist.
Ein Wort wie Riese wird im Vokalteppich so gehüpft: i→ee.

6. Langes -i- und langes -ie-
Egal ob Riese, Liebe, Biene oder Spiele…, das vokalische Strukturmuster erzeugt immer das gleiche Bewegungsmuster: i→ee.
Liga (ia), Kino (io), minus  (iu) … erzeugen andere Muster!

Barbara Heuberger | Lizenzversion CC-BY

 

 

1 Kommentar

  1. Dieser Vokalteppich ist ja der reinste Tausendsassa! Ich habe ihn bisher in einer 1. Klasse eingeführt und damit Vokale, Umlaute und Zwielaute erarbeitet. Für die Kinder ist es sehr hilfreich und motivierend, mit dem ganzen Körper zu lernen!
    Danke!

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